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Kritik Roman Shortstory Essay Gedicht Kurzprosa
Korea Girlvon Marcel Nebeling19.7.04
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Korea Girl





Sie sitzt in dem Zimmer die Straße hinunter, dort wo die rosenfarbene Gardine den Blick versperrt. In dem kleinen Hotelzimmer, mit dem großen, breiten Bett, dem kleinen Holznachttischchen, den schief hängenden Bildern, die man in keiner Kunstausstellung bewundern würde. Sie liegt dort auf dem Bett, neben sich das alte schwarze Telefon. Der Hörer ist von der Gabel gerutscht, wirkt wie ein weggeworfener Schuh.

Ihre einst so lebhaften Augen blicken starr zur Decke hinauf. Tränen rollen die Wange herab und ihr Mund zittert, vom Schluchzen gequält. Das Telefon bleibt noch immer stumm und sie wartet nun schon so lange, auf einen Anruf, der nicht kommen wird.

Ihr schwarzes Haar liegt wie ein ausgebreiteter Fächer auf dem Laken. Die Ohrringe, kleine silberne Rosen, glimmen im fahlen Mondlicht. Doch das Telefon, es läutet nicht. Im Zimmer sind es sicherlich an die 30 Grad, aber sie wagt es nicht ans Fenster zu gehen, vielleicht hinaus zu sehen.

Menschen kann sie nicht ausstehen, sie tun einem nur weh. Erst heute, als sie sich aus ihrem Leben hinaus in die Wildnis der Stadt gewagt hatte, hatte sie einen neuen Beweis dafür, dass Menschen sie nur verletzten. Doch das war nicht vorhersehbar gewesen. Es war einfach der falsche Tag und die falsche Zeit für diesen Schritt.

Jedoch ist es nie so, dass man den Mut findet einen Schritt zu wagen, wenn es die richtige Zeit ist. Irgendwie passiert es immer anders, als man glaubt, als man sich wünscht. Heute Morgen, in den ersten Sonnenstunden des Tages, hatte sie die Schlüssel von der Kommode genommen und das Klimpern in ihren Ohren war wie das Flüstern von Freiheit gewesen. Sie glaubte einfach hinaus in den Sommer fahren zu können, hinaus in die weite Welt, auf der Suche nach ihm. Sie hatte die Briefe wieder und wieder gelesen, in denen er sie eine Prinzessin nannte, ihr das Königreich des ewigen Glücks versprach. Sie hatte ihm schnell klar gemacht, sie wäre kein schnelles Mädchen. Sie wäre kompliziert, ließe sich nicht schnell einfangen wie ein dummer Fisch. Doch er hatte nicht aufgegeben.

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