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Wohin dein Herz dich führtvon Marcel Nebeling10.5.04
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Wohin dein Herz dich führt





Montag morgen, verregnet und grau, die Nacht noch im Nacken, die Sonne eine blasse Erinnerung. Der Koffer: Zusammen gepackt nur das Nötigste und das Ziel ungewiss. Aber sie steht dort, allein an dieser Bushaltestelle, direkt am Waldrand. Die Tropfen sind dick, ihre Augen sehen nichts von alledem, sie ist in einer anderen Welt, doch auch dort gibt es keinen Sonneschein. Ich sehe all dies, als ich mit meinem Wagen langsam heran fahre. Wir hatten uns verabredet. Gestern. Heute jedoch, war dieses flaue Gefühl im Magen, das kein Lächeln zuließ. Ich hielt direkt vor ihr, öffnete die Beifahrertür und starrte zur Frontscheibe heraus, wo die Scheibenwischer auf und ab zuckten. Ich wünschte es wäre so einfach, ein Wisch und alles wäre ungeschehn. Aber das Leben bestand nicht nur aus Regentropfen, die an Scheiben hingen und mit einem Wisch vergessen waren.

Der Motor gluckste, die Uhr tickte und das Klopfen des Regens war eine stille Melodie der Trauer. Doch sie stieg nicht ein. Sie stand einfach dort, im Schutz der Haltestelle und dennoch ertrank ihr Herz im Regen. Ich konnte es sehen, sie wollte nicht gehen.

Missmutig ließ ich den Sicherheitsgürtel aus der Haltung springen, riss die Tür auf und stieg aus. Die kalten, feuchten Arme des Regens umfingen mich. Mein Haar hing mir ins Gesicht, der Wind zerrte daran.

„Komm, Sally!“, rief ich zu ihr und blickte über das Dach des Mustangs weg, wo die Regentropfen zerplatzten wie Seifenblasen.

Doch sie blieb stockstil. Ihre Augen verloren. Sie sahen mich einfach nicht. Ich stöhnte und kam herum, zu ihr, stand neben ihr und blickte in die gleiche Richtung wie sie, aber da war nur das graue Regenbild, mit den heimatlichen Tönen, die mich weder traurig machten, noch Geborgenheit ausstrahlten. Es war einfach vorbei, meine Zeit hier ging zu Ende. Eigentlich unsere Zeit. Die Arbeit war getan, wir mussten weiter.

Der Motor gluckste noch immer und ich roch die Abgase.

„Verdammt! Los, wir müssen weg hier.“, erklärte ich und griff nach dem Koffer. Die wenigen Habseligkeiten die Sally besaß waren darin verstaut und es war noch so viel Platz. Sicherlich besaß sie mehr Sorgen, als Klamotten, das war klar. Das Leben gibt dir so viele Sorgen und wie oft wundert man sich nur, was soll ich heute anziehen?

Sie steckte mich an, mit ihrer verlorenen Seele. Ich schüttelte den Kopf, ließ den Kofferraum aufspringen, warf den Koffer rein und versuchte mit dem gewaltvollen zu Schmeissen der Klappe diese wirren Gedanken zu verscheuchen.

Doch sie stand noch immer einfach nur so da.

Warum war es jedes Mal so ein Schauspiel? Wie konnte sie sich mit diesen Menschen so verbunden fühlen? Ich verstand sie nicht und konnte nur versuchen sie dazu zu bringen, hier endlich zu verschwinden. Was mochte sie an Menschen finden, die uns jagten? Und das schon so viele Jahre. Eine Zeit, die gezeichnet war von Schmerz und Trauer durch deren Hände!

Doch Sally stand dort, eine blasse Gestalt im Regen, heimatlos und starr.

„Wen sie uns finden, ist es zu spät!“, rief ich zu ihr.

Und dann sagte sie etwas, es waren Worte, die ich nicht verstand, obwohl ich sie hörte. Zwischen dem Flüstern des Regens: „Ich hab mich verliebt...“

Ich schüttelte den Kopf.

„Was?“

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