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Herztransplantation - Der Weg in ein neues Lebenvon Marcel Nebeling08.5.04
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Kommentar des Autors:
Dies ist ein Erfahrungsbericht, den ich damals in einer Zeitschrift veröffentlichte.

Herztransplantation - Der Weg in ein neues Leben!

Hallo, mein Name ist Marcel Nebeling und vielleicht erinnern Sie sich an meine Zeilen in jener Ausgabe dieser Zeitschrift. Damals, das muß jetzt wohl etwas mehr als zwei Jahre her sein, schrieb ich von meinem Traum einmal transplantiert zu werden und nun bin ich froh, diesen Weg gegangen zu sein und die Schmerzen, Strapazen und anderes Greuel hinter mich gebracht zu haben, denn am 22. Dezember 1998 klingelte um kurz nach Mitternacht das Telefon und mein Arzt teilte mir in ruhigen Worten mit, daß zu 95% ein Spenderorgan für mich gefunden sei. Mein Herz schlug schneller und schlucken mußte ich auch.

Dann ging es los. Wenig später, etwa zehn bis fünfzehn Minuten, klingelte das Telefon nochmals und es ging darum, wie ich nach Karlsruhe gebracht werden konnte. Ein Flug schien nicht möglich, da in den schwäbischen Alpen ein Schneesturm tobte und so kam es, daß ich, mein Bruder und meine Mutter in einem Rettungswagen uns hinaus auf die Autobahn wagten und in einer Rekordzeit von etwas mehr als drei Stunden nach Karlsruhe rauschten.

In diesen Stunden war es nicht, wie man vielleicht vermuten könnte. Wir merkten schon, daß es jetzt um die Wurst ging, alles sein Lauf nahm und mir kam es so vor, als sei dieses große Würfelspiel des Lebens gerade an einem Wendepunkt angekommen, wo man entweder alles Sechsen hat oder eben nicht. Doch Zuversicht, Mut und Vertrauen, Früchte einer langen Auseinandersetzung mit mir und meinem Ziel, eine Transplantation, ließen mich nicht zweifeln. Ich freute mich ungeheuer, auch wenn mir doch etwas mulmig zu Mute war. Die ganzen Gedanken, die man jeden Abend vorm Schlafen gehen irgendwie zur Ruhe kriegen mußte, sie waren irgendwie verschwommen in meinem Kopf und ich sagte mir, alles der Reihe nach angehen, dann klappt es.

Natürlich ist da auch dieser dunkle Hauch eines Gedanken an den Tod gewesen und ich kann nicht verschweigen, daß mir auch dieses Mal, wie immer, wenn ich darüber nachdenke, eine innere Wut in den Bauch kam. Mein Leben an irgend ein dunkles Grab zu verschenken, das fiel mir nicht ein. Ich hatte Angst davor nicht mehr zu sein.

In Karlsruhe kam ich gleich auf die Intensiv. Dort duschte ich, wurde rasiert und es war einfach toll. Jeder um einen herum schien sich zu freuen und die Angst, die doch immer in solchen Augenblicken aufkeimt, wandelte sich in mir in einen harten Stolz, der vielleicht dem Gefühl gleich kommt, das man verspürt, wenn man lange auf etwas trainiert und endlich beweisen kann, was in einem steckt.

Tja, von der Operation ist mir nicht allzuviel im Sinn, wie auch. Ich weiß nur, daß die erste Zeit danach solch ein Durcheinander an glücklichen Gefühlen, an purer Lebensfreunde mit sich brachte, daß selbst das triste Zimmer auf der Intensiv, die immer grünen Leute um einen mir nicht dieses Glücksgefühl verscheuchen konnte. Sogleich schien in meinem Kopf ein helles Licht zu leuchten, die Gedanken wurden klarer, bis mir für viele wohl leicht zu beherrschende Kopfrechenaufgaben keinerlei Schwierigkeiten mehr bereiteten. Alles war heller um mich und als ich das erste Mal in den Spiegel meiner selbst gewahr wurde, schrak ich vor diesen klaren Augen zusammen. War ich das wirklich? Wo war jene gelbe Färbung, die auf einen Leberschaden hindeutete?

Zwar gab es auch harte Momente, wenn die Neben- und Nachwirkungen der Medikamente einem Streiche spielten, doch das bringt einen nicht um! Man lernt schnell sich und seinen Körper völlig neu zu interpretieren. Beispielsweise dieses warme Gefühl in den Händen und Füßen, das Lachen macht wieder Spaß und mit jedem Tag wird man stärker.

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