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Kritik Roman Shortstory Essay Gedicht Kurzprosa
Der Mann in der Mengevon Marcel Nebeling07.5.04
Gästebuch
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Kommentar des Autors:
Horrorstory, inspiriert durch E. A. Poes gleichnamige Story

DER MANN IN DER MENGE




Es war gerade mal kurz vor fünf am Nachmittag, jedoch die Welt versank schon in Dunkelheit. Hinter dem Bogenfenster an einem Eichentisch hockte ich und starrte hinaus. Vor mir eine heiße Suppe, die noch unberührt dahindampfte. Um mich herum das Stimmengewirr der anderen Gäste, die sich mit ihren Freunden und Freundinnen unterhielten. Menschen die sich einen Imbiss genehmigten, ein Bier tranken und gegenseitig einander vorlogen, wie schön dieser Tag doch war und das man sich liebe.

Was waren das nur für Narren ...

Mein ganzes Interesse galt dem Fenster und die Sicht hinaus in einen verregneten Abend. Neben der Tasse lag mein Buch mit den Notizen, die mich ängstigten und die ich am liebsten in den Kamin geworfen hätte. Tag für Tag las ich diese Notizen, diese Sätze deren Bedeutung und Aussage mich schreckten.

Draußen klatschte dreckiger Regen gegen das Fenster. Die Menschen schoben sich mit ihren Schirmen durch die Straßen. Ihre Gesichter offenbarten mir nichts und vielleicht war dies wieder ein Indiz dafür, dass sie nicht wussten in welcher Gefahr sie schwebten. Sie schwammen im ruhigen Gewässer des Alltags, unwissend, um die Bedrohung, die Nacht für Nacht zunahm. Eine Bedrohung, die um so schauerlicher wurde mit jedem Sonnenuntergang, wenn ich meinen Notizen glauben wollte.

Für einen Augenblick wandte ich mich vom Fenster ab, schlürfte ein wenig Suppe und versuchte dem Drang zu widerstehen die zerfledderten Seiten meines Notizbuches zu öffnen. Dort standen sie geschrieben, diese Gräueltaten, die nachts durch die Gassen und Straßen geisterten!

Der Löffel schlug zitternd an den Rand der Schüssel, als ich mit der anderen Hand die Seiten umschlug. Jedes Mal war es das Gleiche. Meine Augen klebten förmlich an den Worten. Mit meinem alten Füllfederhalter hatte ich sie geschrieben. Wenn ich in der Bibliothek saß oder abends in meiner Stube. Ich kannte ihre Jagdrouten, ich kannte ihre Opfer und ich wusste, dass es immer so weiter gehen mochte, wenn ich nicht was dagegen tat!

Plötzlich schlug etwas gegen das Fenster und ich zuckte zusammen, stieß mit dem Fuß gegen den Tisch. Die Suppe schwappte aus der Schüssel. Ich glaubte fast das Knirschen meiner Knochen zu hören, als ich mich dem Fenster zuwandte. Ein Gesicht klebte da an der Scheibe.

Ich schrie!

Dann verstummte ich. Die Gäste starrten mich an, doch was wussten die schon?

Das Gesicht am Fenster war verschwunden. Der alte Mann ging weiter. Nur ein Penner, dachte ich.
Es brauchte einige Zeit bis ich mich wieder unter Kontrolle hatte. Die Kellnerin, ihr Lächeln war das einer Krankenschwester, die in einem Irrenhaus einen Kranken zulächelt, wischte den Tisch. Sie lächelte mir weiterhin zu, als ich das Buch schnell an mich riss. Ich konnte nicht anders! Was mochte sie von mir denken, wenn sie vielleicht gelesen hätte was ich schrieb? Sie hätte es doch niemals verstehen können. Sie wusste nicht um die Gefahren der Nacht!

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