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Kritik Roman Shortstory Essay Gedicht Kurzprosa
Sie sind was sie sindvon Marcel Nebeling04.3.05
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Kommentar des Autors:
Diese Geschichte wurde zum Thema Männer geschrieben für einen Wettbewerb. Aber die Geschichte an ihren Anfang woanders. Ich möchte aber vorwegnehmen: Das ist keine Verallgemeinerung von Männern, nur leider gibt es viele, die genau so sind...

SIE SIND WAS SIE SIND…




Manchmal mag ich gar nicht hier sitzen und dies alles niederschreiben. Viel lieber wäre ich in einer dunklen Höhle, allein, und könnte dem Regen in meinem Herzen lauschen. Ich hab gesehen, was Männer sein können, ich weiß was ich bin und ich weiß wo es enden wird.

Jeden Tag sitze ich in dem kleinen Cafe an der Hauptstrasse, vor mir das erste Glas Bier an diesem Morgen und ich bin mir gewiss, heute Nacht werde ich wieder nicht schlafen können. Denn als ich an der Zimmerwand lauschte, die Schreie der Frau hörte, kam alles wieder. Ich kann es nicht verleugnen, ich bin nicht besser als dieses Scheusal, mein Nachbar, der seine Frau terrorisiert. Ich darf nicht mich davon freisprechen, ich habe Blut an meinen Händen auch wenn es nicht dass einer Frau war. Aber ich habe es nicht getan, ich habe es gewollt und da ist ein Unterschied. Wenn man einfach was tut, denkt man nicht drüber nach, wenn man es will, hat man die Entscheidung mit allen Sinnen getroffen. Wille ist ein verfluchter Wesenszug.

Der Wille, den wollte er mir damals brechen, mein lieber Herr Vater. Täglich in der alten Garage werkelte er an den Lastwagen, Traktoren und anderem Gefährt und kam er dann nach Hause, war die Hölle los. Aber bin ich besser, bin ich so geworden, wie ich wollte? Ich wollte kein Mann sein, ich wollte kein Vater werden. Väter schlagen ihre Frauen, ihre Kinder und schmeißen mit Stühlen nach dir. Väter nehmen den Schraubenzier und ritzen vor Wut in deine Haut, sie nehmen Boxhandschuhe, aus Spaß, bis es nur noch schmerzen tut. Sie schlagen, wenn sie lachen und lachen wenn sie schlagen. Das Lachen war das Schlimmste. Schon damals schrieb ich wild die Worte runter, während Tränen über meine Wangen rannen. Auch jetzt ist es wieder so, denn ich weiß, heute Morgen, musste sie gehen. Ich habe die Polizei gerufen, aber sie werden es, wie immer, nicht verstehen.

Maggy kommt zu mir an den Tisch. In ihren Augen das gleiche Seelenspiel, wie damals bei meiner Mutter. Aber wieso kann ich es immer sehen? Wieso erkenne ich all diese geschundenen Seelen? Wenn ich in den Fernseher sehe, weiß ich, welche Frau geschlagen wurde, welcher Mann sich an einem Kind vergeht und trotz dieses Ekels, der Wut in meinem Bauch, schaffe ich es nicht, ich kann nicht für sie kämpfen, sie nicht retten!

So auch letzte Nacht. Zuerst wieder diese endlosen Worte, diese verbalen Peitschenhiebe. Es spielte keine Rolle worum es ging, das war nicht der Lauf der Dinge. Es ging darum, dass er sich an ihr auslassen konnte, ihr zeigen konnte, dass er der Mann war. Ich lag in meinem Zimmer, starrte an die Decke und konnte ihre Augen sehen, wie sie zu großen Monden wurden, in Erwartung des ersten, harten Schlages mitten ins Gesicht. Ich konnte sie hören, ihre Sorgen, wie sie am nächsten Tag in der Arbeit die blauen Flecken erklären sollte. Man belächelte ihre Ausreden nur und sie wusste das. Ich sah ihr schwarzes Haar, wie es in einer wilden Fontaine gegen die Wand spritzte, als er sie gegen diese stieß und dann hörte ich ihr Wimmern, als der Schmerz durch ihren Körper brannte.

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