Mitglieder: 819 | Autoren: 400 | Online: 0
  erw. Suche Texte: 6436 | Top 10 Mai. | alle Top-Texte
Kritik Roman Shortstory Essay Gedicht Kurzprosa
House of Lovevon Marcel Nebeling15.7.04
Gästebuch
alle Texte
7,50 (1 Bew.)
Bewerten
Druck-
Ansicht
Lesungen 5
von Mitgl. 5
Seite 1 von 5
>> 2
direkt zu Seite 1 2 3 4 5

HOUSE OF LOVE




Der Wind spielte mit dem Wüstensand, fegte ihn über den Asphalt und zerrte an den langen Haaren des Fremden, der den leichten Hügel hinunter kam, den roten Feuerball der untergehenden Sonne im Nacken. Die Stiefel klackten laut.

Er kam jeden Abend diese Straße herunter. Er war ein Wanderer, der immer wieder zurückkam. Es schien, dass er irgendetwas suchte, aber keiner wusste, was und wieso. Die Alten sahen ihm nach, mit einem belustigten Blick. Sie kannten das Schauspiel und liebten es. Über den Rücken hatte der Typ eine Gitarre geschlungen, und mochte man den Gerüchten glauben schenken, verstand er es sie zum klingen zu bringen.

Ich erzähle Ihnen das nur, damit Sie verstehen, dass jeder wusste, was vor sich ging und dennoch keiner verstand, was es bedeutete. Ich kann nur sagen, auch ich saß mit Jones, Peter und Jack an dem Tisch und lächelte. Wir spielten Karten. Mit mehr als 60 Lenzen auf den Buckeln gibt’s nichts Spannenderes, glauben Sie mir. Nun gut, es gibt Sachen wie das Lächeln einer Frau, dass dir warm ums Herz wird, und ja, auch in diesem Falle, ging es um eine Frau. Geht es nicht immer um eine Frau, wenn Männer immer wieder kommen?

Aber ich verliere den Faden. Ja, lächeln Sie ruhig, mit der Zeit kann man so vieles vergessen. Nun ja, da kam also unser Fremder auch an jenem Abend die Straße hinunter. Er lächelte nicht, sondern wirkte ernst und in sich versunken. Die Gitarre ruckte mit jedem Schritt. Er war kein großer Mensch, sondern eher der sportliche Typ, vielleicht ein bisschen zu durchschnittlich. Er gehörte nicht zu der Sorte Cowboys, die sich täglich Countrysongs um die Ohren blasen und zum Bier nicht nein sagen können. Er hatte Stil, und vielleicht war auch dies das Tragische an der ganzen Geschichte.

Sein Ziel war jedem klar. Man nannte es das „House of Love“. Ja klar, was, glauben Sie, findet sich sonst in einem kleinen Nest am Highway, in der Abgeschiedenheit einer verträumten Stadt, wo der Hund seine Runden zieht und das Krähen des Hahnes so selbstverständlich ist wie das Zähneputzen? Ich meine, in unserem kleinen Ort, da geht alles seinen geregelten Gang. Selbst diese Tragödie mit dem jungen Mann, mit unserem Gitarrenhelden, hatte seine Routine. Womöglich ist es auch das, was einen das Altwerden so schmerzlich spüren lässt.

An jenem Abend jedoch würde die Routine ein Ende finden. Aber als ich ihm zulächelte, meinen imaginären Hut zog und er die gleiche Pose mir gegenüber brachte, wusste keiner was davon, ahnte niemand, dass wir ihn das letzte Mal sahen.

vor zu Seite 2 >>

House of Lovevon Marcel Nebeling15.7.04
Gästebuch
alle Texte
7,50 (1 Bew.)
Bewerten
Druck-
Ansicht
Lesungen 5
von Mitgl. 5
Seite 1 von 5
>> 2
direkt zu Seite 1 2 3 4 5
id
pw

Besucher:
  Anmelden / Passwort vergessen?
  Newsletter Hilfe

Internes:
Aktionen Listen
Impressum News
Kontakt Links
Ein Hörbuch kostenlos bei Anmeldung

© Jens Becker www.intermitto.net